Leseprobe zu Dark Hill. Im Herzen der Anderswelt von Lea McMoon

Dark Hill. Im Herzen der Anderswelt - ein fantasy romance roman von Lea McMoon / Ela van de Maan

Freut mich, dass du dich für die Leseprobe zu Dark Hill. Im Herzen der Anderswelt von Lea McMoon interessierst.

Lies dich rein!

Der Boden unter ihm erbebte. Die Erschütterungen fuhren ihm durch alle Knochen bis hinauf in die äußersten Haarspitzen und ließen ihn schwanken. Verwirrt blieb Raven stehen und versuchte das Gleichgewicht wiederzufinden, um nicht zu stürzen. Ein tiefes Grollen folgte, als würde die Erde aufreißen und alle Grauen der Hölle auf einmal ausspeien. Raven machte einen Schritt zurück und drehte sich langsam im Kreis. Träumte er oder war er so betrunken, dass er fantasierte? Bewegten sich dort am Rand der Wiese nicht Schatten, die weder zu Mensch noch Tier gehörten? Er hielt inne und starrte vor Furcht gebannt in ihre Richtung. Die Schatten kamen auf ihn zu – bedrohlich, geduckt, als wären sie auf der Jagd. Eisige Kälte kroch über seinen ganzen Körper. Er wich einen weiteren Schritt zurück und warf einen Blick hinüber zu den Leuten seines Dorfes, die immer noch ausgelassen am Samhainfeuer herumalberten und sich mit ihren selbst gemachten Masken gegenseitig erschreckten.

Bemerkten sie denn nichts? 

Die Schatten richteten sich auf und formten sich zu übergroßen, menschenähnlichen Gestalten, ihre Arme weit ausgestreckt und ihre Finger zu Klauen verbogen, die nur darauf zu warten schienen, ihre Opfer zu zerreißen. Aus glühend roten Augen fixierten sie ihn. Er warf die leere Whiskyflasche zu Boden, die er noch in der Hand hielt. Es konnte nicht sein! Es durfte nicht sein! Und doch wusste er, dass sie es waren – diejenigen, deretwegen jedes Jahr zum Schutz die Samhainfeuer entzündet wurden. 

Entsetzt wich er weiter zurück und hielt Ausschau nach den Mädchen, um sich zu vergewissern, dass sie sich nicht abseits des Feuers aufhielten. Er entdeckte den blonden Schopf von Malin und gleich daneben Ally inmitten der Dorfältesten, die wild gestikulierend ihre Schauergeschichten über die Anderswelt erzählten.

Die Rotäugigen kamen immer näher. Sein Herz klopfte ihm bis zum Hals. Er wollte den Menschen zurufen, dass sie weglaufen sollten, aber er brachte keinen Ton über seine Lippen. Auch sein Winken sah niemand.

Er nahm all seinen Mut zusammen und blieb stehen. Waren diese Dämonen wirklich gekommen, um die Seelen der Menschen zu rauben, wie es in so vielen alten Geschichten hieß? Sie hielten nicht an, sondern bildeten einen Kreis um ihn. War es womöglich er, den sie suchten? So wie er es in seinen schlimmsten Albträumen immer wieder gesehen hatte?

Über ihm krächzte ein Rabe in der Dunkelheit. Raven wusste, er wollte ihn warnen, doch es war längst zu spät. Die Rotäugigen zogen den Kreis immer enger, bis er das Feuer in ihren Augen lodern sah. Ihre Münder waren zu einem grauenvollen Grinsen verzogen, das ihre spitzen Zähne hervorstechen ließ. Er atmete hektisch ein und aus und mobilisierte all seine Kräfte. Nie und nimmer würde er sich von diesen Ungeheuern seine Seele herausreißen lassen. Er konzentrierte sich auf eine Lücke zwischen ihnen, die noch groß genug war, um durchzukommen, und rannte los, so schnell seine Beine ihn trugen. Wenn sie ihn wollten, mussten sie ihn erst einmal einfangen und er wusste, er war schneller als andere Menschen, schneller als so manches Tier und vielleicht auch schneller als diese rotäugigen Dämonen. Sie griffen nach ihm, als er ihre Mauer durchbrach, aber sie bekamen ihn nicht zu fassen. Ohne sich noch einmal umzudrehen, rannte er weiter in Richtung Küste und daran entlang. Er fühlte ihren heißen Atem in seinem Nacken und ihre wütenden Blicke, wenn sie aufholten und ihn trotzdem nicht erreichten. Seine Lungen brannten, als würde er Feuer atmen, aber er gab nicht auf. Je länger er lief, desto schneller wurde er. 

Als die Dämmerung anbrach, wusste er nicht mehr, wo er war und wie weit er gelaufen war. Hatte er wirklich die ganze Nacht durchgehalten? Er schwankte vor Erschöpfung und war knapp davor, sich zu übergeben. Schwer atmend lehnte er sich an einen Felsen am Weg und sah zurück. Hinter ihm waberten nur noch Streifen des morgendlichen Nebels über die Küste – die Rotäugigen aber waren verschwunden. Würden sie wiederkommen, wenn er nach Dark Hill zurückkehrte? Er rutschte langsam an dem Felsen hinab auf den Boden und legte müde seinen Kopf auf seine Knie. Sie würden wiederkommen, dessen war er sich sicher. Er hatte es oft genug in seinen Träumen gesehen. Sie würden wiederkommen, bis sie ihn zu fassen bekamen. Und wenn er blieb, würde er alle gefährden, die ihm etwas bedeuteten. Er sah die Küste hinab zu einem Hafen, der dort fast zum Greifen nah lag. Es war seine einzige Chance. 

Er musste verschwinden – für immer.

***

Fünf Jahre später

»Hast du gehört? Er ist wieder da!«, rief Ally schon zur Tür herein. So euphorisch hatte ich sie nicht mehr gesehen, seit sie ihrem Bobtail Frankie beigebracht hatte ein Stöckchen aufzuheben, wenn sie es ihm direkt vor die Pfoten legte, damit er es durch seine Zotteln über den Augen überhaupt sehen konnte.

»Wer?«, fragte ich mürrisch, obwohl ich ahnte, wen sie meinte, weil die Gerüchte sogar schon bis zu mir durchgedrungen waren. Nur konnte mich ihre Euphorie nicht im Geringsten anstecken. Ich schlug den Putzlappen auf den Tresen, dass das Wasser in alle Richtungen davonspritzte, und wienerte darüber, bis das alte Holz knarrte.

»Malin?« Ally stupste mich vorsichtig über den Tresen hinweg an. »Raven ist wieder da.«

»Ach? Hab gar nicht bemerkt, dass er weg war«, antwortete ich und biss die Zähne zusammen.

»Du reagierst seltsam, weißt du das?« Sie sah mich mit ihren großen braunen Augen an, als würde sie mich zum ersten Mal sehen.

»Ich reagiere, wie ich reagiere. Und es ist mir egal, ob er wieder da ist oder nicht.«

»Hm«, brummte Ally und musterte mich weiter. »Und ist es dir auch egal, dass die Leute behaupten, er wolle vielleicht sogar für länger hierbleiben?«

»Der soll doch machen, was er will«, murrte ich und wischte die Pfütze auf dem Boden auf, die meine wütende Aktion von gerade eben hinterlassen hatte.

Ally schüttelte den Kopf und ging um den Tresen herum, um sich ihre Schürze zu holen. »Ich dachte wirklich, du würdest dich freuen«, brummelte sie aus der Ecke heraus.

»Es ist mir egal, ganz einfach.« Ich drehte mich um, damit Ally mein Gesicht nicht sehen konnte, und begann den Inhalt des Kühlschranks zu kontrollieren. Da heute Farells Pub, in dem wir beide an den Wochenenden immer aushalfen, an der Reihe war, die wöchentliche Musikveranstaltung in Dark Hill auszurichten, würden wir einiges an Bier und Schnaps brauchen. Und es würde hektisch werden. Ich ignorierte Ally, die geflissentlich versuchte mir im Weg zu stehen, um meine Mimik zu studieren, und ging nach hinten ins Lager, um Bier zu holen.

»Was tust du eigentlich, wenn Raven heute Abend hier auftaucht? Ich glaube nämlich nicht, dass er sich ausgerechnet in den Laden hockt, in dem nichts los sein wird«, rief sie mir nach.

»Was soll ich schon tun? Ich stelle dich als persönliche Bedienung für unseren Superstar ab und kümmere mich um die Gäste, die immer hier sind«, antwortete ich grimmig, während ich die erste Kiste in den Schankraum schleppte.

Ally stellte sich mir erneut in den Weg und klemmte sich ihre Ponysträhnen hinters Ohr, damit sie ihr ja nicht die Sicht auf mich behindern konnten.

»Al, geh mir bitte aus dem Weg, wenn du nicht den Kasten auf die Zehen bekommen willst, der ist schwer«, keuchte ich. Sie sprang zur Seite und verzog sich murrend zurück an ihre Kaffeemaschine, wo sie mit ein paar gezielten Schlägen auf die Abdeckung dem alten Ding wieder neues Leben einhauchte. Ich konnte noch nicht einmal verärgert über ihre Hartnäckigkeit sein. Schließlich war sie meine beste Freundin und immer für mich da, wenn ich dachte, der Himmel würde herabstürzen und alles unter sich begraben. Und manchmal wäre ich darüber noch nicht mal unglücklich gewesen. Sofort kam mir wieder Großvater in den Sinn. Es war fast auf den Tag genau ein halbes Jahr her, seit er gestorben war. Mir war es vorgekommen, als hätte er den Zeitpunkt mit aller Gewalt hinausgezögert, damit ich alt genug war, um von den Behörden in Ruhe gelassen zu werden und für mich selbst sorgen zu dürfen. Ich konnte es, das wusste jeder, aber die Gesetze hätten dagegengesprochen, wenn ich zu jung gewesen wäre. Mit fast neunzehn war ich zum Glück alt genug gewesen und Ally und ihre Familie waren ohnehin immer für mich da, wenn ich mal Hilfe brauchte. Jeder im Dorf war da, nur nicht …

»Also ich bin wirklich gespannt, ob Raven noch so aussieht wie in seinem letzten Film«, startete Ally einen erneuten Versuch, mit mir über diesen Verräter zu sprechen. »Was meinst du, wie der die Touristen anzieht, wenn er wirklich hierbleibt? Wir werden unser Trinkgeld kaum mehr nach Hause tragen können! Ich glaub, ich brauche eine Extratasche.«

Ich sah sie von der Seite an. »Sag mal, wovon träumst du eigentlich nachts?«

Sie grinste. »Das willst du nicht wissen, glaub mir.«

Ihr künstlich verzweifelter Gesichtsausdruck brachte mich nun doch wieder zum Lachen. Ich konnte mir durchaus vorstellen, was in der Mehrzahl ihrer Träume vorkam, wo sie doch seit zwei Jahren für den unscheinbaren Rothaarigen mit der Gitarre und der wirklich unglaublich sanften Stimme schwärmte, der ab und an bei uns im Pub spielte. Nur war der so schüchtern, dass er auf Allys Annäherungsversuche nur recht einsilbig reagierte. Wenn wir nicht seine Adresse hätten, um ihn zu buchen, wüssten wir noch nicht mal, dass er Patrick hieß. Wobei ich dann einfach auf Patrick getippt hätte, weil gefühlt jeder zweite Ire nach unserem Schutzpatron benannt wurde. 

Ally seufzte. »Aber ich finde es trotzdem toll, dass Raven wieder hier ist. Irgendwie war alles so anders ohne ihn.«

Ich schnaubte. »Ich könnte tausend Dinge nennen, die ich toller fände.«

»Was zum Beispiel?«, fragte Ally und sah mich mit hocherhobenem Kinn an, während sie sich provokativ eine ihrer dunklen Locken um den Finger wickelte.

»Das Wetter zum Beispiel«, antwortete ich und riss den Kühlschrank wieder auf, um die Flaschen einzuräumen.

»Es ist nebelig!«, entgegnete sie angewidert. »Und wenn nicht endlich wieder Wind oder Regen aufkommen, wird der Nebel heute Nacht so eine dicke Suppe sein, dass du kaum nach Hause findest.«

»Ist doch schön! Es war lang nicht mehr so nebelig«, antwortete ich gelassen. Und tatsächlich war mir heute Morgen auf dem Weg zum College schon aufgefallen, dass sich langsam wieder dieser dunkle graue Nebel in der Bucht sammelte, den ich schon seit Jahren vermisst hatte.

»Du bist echt seltsam manchmal«, antwortete Ally und schüttelte ungläubig den Kopf. »Ich werde nie verstehen, was man an Nebel schön finden kann. Man sieht kaum seine Hand vor Augen, geschweige denn wer auf einen zukommt oder einen womöglich beobachtet.«

»Wenn du niemanden siehst, kann dich auch keiner beobachten, ganz einfach. Der Nebel ist ja von beiden Seiten undurchsichtig. Ich finde es schön, nicht sehen zu müssen, was um mich herum ist. Ich sehe einfach nur, was ich sehen will.«

Ally grunzte, aber enthielt sich einer Antwort.

»Hallo, Mädels, freut mich, dass ihr schon hier seid«, krächzte Farell aus seinem Büro am hinteren Ende des Gangs in Richtung Schankraum.

»Hallo, Farell«, grüßten wir zurück. Ally kicherte. Farell hatte sicher wieder auf seiner Couch gepennt, bis er uns hier rumoren gehört hatte und sich nicht getraut hatte herauszukommen, damit wir ihn nicht wieder damit aufzogen, wie er aussah. Aber langsam machte ich mir wirklich Sorgen um ihn. Wenn das so weiterging, dass er jeden Abend nach seinem Job im Pub in den Nachtclubs der Stadt weitermachte und den Tag verschlief, würde das sicher in absehbarer Zeit Spuren hinterlassen.

»Hoffentlich findet der bald wieder eine Frau«, flüsterte Ally. »Vielleicht sollten wir uns mal umsehen und ihm ein paar Kandidatinnen hier hereinsetzen.«

»Und wo sollen wir die hernehmen?«, fragte ich. »Hier sind alle Frauen verheiratet oder zu jung oder zu alt. Mit Mitte vierzig ist die Auswahl ziemlich eingeschränkt.«

»Wer weiß, wenn Raven jetzt …«

»Hör endlich mit dem Kerl auf, der ist noch nicht mal einen Tag hier und schon kann ich den Namen nicht mehr hören!«, beschwerte ich mich.

Es rumorte im Gang. Kurz darauf schlurfte Farell – eindeutig noch nicht ganz wach – in den Klamotten von gestern herein und der Versuch, seine Haare auf die Schnelle in Ordnung zu bringen, war zur Gänze fehlgeschlagen. Ich meinte sogar einen Hauch von verschmiertem Lippenstift auf seiner Wange zu entdecken. Ich verkniff mir ein Grinsen. Wenn er glaubte, wir würden nichts merken, dann musste er schon früher aufstehen. Buchstäblich. Er deutete wortlos auf die Kaffeemaschine und setzte sich an den Tresen. »Wisst ihr eigentlich, wen ich heute Nacht in der Stadt getroffen habe?«, fragte er verschlafen. »Raven O’Dwyer!«

Ich stöhnte und griff mir an den Kopf.

»Echt?« Allys Augen leuchteten auf. »Wie sieht er aus? Was hat er da gemacht? War er allein?« Schnell stellte sie ihm seinen Kaffee vor die Nase und lehnte sich ihm gegenüber erwartungsfroh auf die Theke.

Ich gab ihr einen Stoß. Wenn sie so weitermachte, wusste ich jetzt schon, wovon sie heute Nacht träumen würde. Ich hätte kotzen können. Schnell trug ich den leeren Kasten zurück ins Lager, um Farells Antworten nicht mitzubekommen. Mit einem gewaltigen Tritt knallte ich die Tür hinter mir zu und lehnte mich dagegen.

Raven O’Dwyer.

Ein Frösteln lief mir über die Haut. Irgendetwas Nasses wollte aus meinen Augen tropfen. Verdammt noch mal, ich hatte nicht mehr geweint, seit Großvater gestorben war, und ich würde nicht damit anfangen, nur weil dieser … dieser … Mir fiel noch nicht einmal eine treffende Bezeichnung für diesen Kerl ein.

»Wir brauchen noch Geschirrtücher«, rief Ally nach hinten. »Bringst du welche mit?«

Vorsichtig tupfte ich mit meinem Ärmel das Nasse von den Augen weg und warf einen Blick in den kleinen Spiegel am Regal, den wir immer zum Nachschminken benutzten, wenn der Abend stressig war. Und es würde heute sicher stressig werden, mit oder ohne den Verräter.

Ich packte die Tücher auf eine weitere Bierkiste und schleppte alles zurück in den Schankraum.

»Woah! Das wär ja super, wenn er heute hierherkäme!«, hörte ich Ally schon hysterisch kreischen.

»Meine Güte, was machst du nur für einen Wind! Man möchte meinen, du hättest ihn nicht ohnehin fast dein ganzes Leben hier im Dorf gesehen«, brummte ich.

Ally schnitt mir eine Grimasse. »Ich freu mich eben, dass es jemand aus unserem Kreis so weit gebracht hat. Filmstar in Hollywood! Hey, wir kommen nicht mal nach England rüber, wenn wir nicht viel Glück haben, und Raven ist ein Superstar!«

»Super.« Ich verdrehte die Augen. Ich wollte ja noch nicht einmal nach England und Superstar werden schon gar nicht.

Farell zog erstaunt die Augenbrauen hoch. »Ich dachte eigentlich, du wärst diejenige, die sich am meisten darüber freut.«

»Worüber?«, fragte ich verärgert. »Dass er vor fünf Jahren sang- und klanglos verschwunden ist? Dass monatelang keiner was von ihm gehört hat? Dass wir nur wissen, dass er noch am Leben ist, weil der Herr plötzlich Superstar geworden ist?«

»Na, na. Wir wussten schon vorher, dass er am Leben ist und wo er sich rumtreibt«, entgegnete Farell beschwichtigend. »Er hat schließlich dem Pfarrer geschrieben.«

»Ach ja, eine Postkarte«, antwortete ich spöttisch. »Das hätte ich fast vergessen.«

Eine einzige lächerliche Postkarte aus New York, Monate nach seinem Verschwinden, an den Menschen, der ihn als Baby aufgenommen und ihm sechzehn Jahre lang ein Zuhause gegeben hatte. Und darauf stand nur: Es geht mir gut. Tut mir leid.

Der gute alte Pfarrer hatte mir die Karte geschenkt, weil der Verräter nicht fähig gewesen war auch mir zu schreiben oder Ally. Oder uns anzurufen. Nichts. Rein gar nichts. Fünf Jahre lang keine Nachricht, nur das, was Ally mir aus der Klatschpresse zugetragen hatte, ob ich gewollt hatte oder nicht. Oder was sie über seine Filme gelesen hatte. »Was interessieren mich verdammt noch mal seine Filme!«, fluchte ich und hielt mir vor Schreck die Hand vor den Mund. Ich hatte mich so in meinen Frust hineingesteigert, dass ich versehentlich ausgesprochen hatte, was ich dachte. Ally und Farell starrten mich peinlich berührt an.

»Ich geh dann mal nach hinten und seh das Lager durch«, murmelte Farell schnell und machte sich mit seiner Kaffeetasse aus dem Staub.

Ally nahm meine Hand und tätschelte sie sanft. »Hey, schon gut. Ich dachte, du wärst längst über alles hinweg.«

»Worüber sollte ich denn hinweg sein? Der ist so was von unwichtig, der hat mich noch nie interessiert!« Ich schob lautstark die Kiste zur Seite und räumte weiter den Kühlschrank ein, bis er randvoll war und wir aufpassen mussten, dass keine Flasche herausfiel, wenn wir die Tür aufmachten. Ich sah mich um und überlegte, bei welcher Tätigkeit ich noch Energie verbraten könnte. Stühle von den Tischen nehmen. Genau! Das machte Lärm und würde alle anderen daran hindern, mich in der nächsten Viertelstunde anzusprechen. Ich sah im Augenwinkel, wie Ally mich kopfschüttelnd beobachtete, weil ein Stuhl nach dem anderen auf den Holzboden polterte. Aber ich konnte nicht anders. Wenn ich nicht irgendwie meine Wut loswurde, würde ich platzen.

Mit Schwung holte ich den letzten Stuhl von der Tischplatte und hätte dabei fast unseren Bürgermeister erschlagen, der gerade zur Tür hereinkam.

»Wir haben noch geschlossen, das solltest du eigentlich wissen«, murrte ich ihn an, weil er mich genauso erstaunt betrachtete wie Ally.

Er hob beschwichtigend die Hände und grinste. »Ich wollte ja nur fragen, ob ihr beiden Mädels wisst, ob O’Dwyer heute herkommt.«

Ich knirschte mit den Zähnen. Ally hustete und machte wilde Bewegungen mit den Händen. »Wir haben ihn noch nicht getroffen«, piepste sie schnell. »Aber Farell hat gemeint, er würde wohl hier auftauchen.«

»Gut«, sagte der Bürgermeister hocherfreut. »Ich muss ihn fragen, ob das Gerücht wirklich stimmt, dass er sich hier ein Haus bauen will. Er könnte das Grundstück an der Bucht haben, wo die alte Kapelle steht. Also dann bis später.«

Ein eiskalter Schauder lief mir über den Rücken. Entsetzt starrte ich Ally an. Das Grundstück mit der Kapelle? Das lag kaum fünfhundert Meter von meinem Cottage entfernt.

»Ich dachte, der wollte vielleicht nur herkommen, weil es dem Pfarrer nicht gut geht. Wusstest du, dass er sich hier ein Haus bauen will?«, fragte ich Ally.

Sie verzog das Gesicht und wischte verlegen über die Theke. »Dad hat was davon erzählt«, antwortete sie schließlich und grinste versöhnlich.

»Wann?«

»Letzte Woche«, antwortete sie kleinlaut.

»Was? Du weißt seit letzter Woche, dass dieser Verräter vorhat wieder hierherzuziehen, und hast mir nichts davon gesagt?«

»Es war ja nur ein Gerücht. Du weißt doch, wie das mit den Gerüchten ist. Ich hätte es dir schon gesagt, wenn ich gewusst hätte, dass er so schnell hier auftauchen würde. Aber ich wollte nicht, dass du dich freust, und dann wird nichts draus.«

»Freuen?«, piepste ich entsetzt.

»Na ja, wer konnte denn ahnen, dass du dich so drüber aufregst? Ich freue mich jedenfalls und ich finde es schade, dass du so abweisend reagierst. Man muss auch mal einen Fehler verzeihen können. Und es ist immer noch seine Entscheidung, was er aus seinem Leben macht. Dazu braucht er dein Einverständnis sicher nicht«, schimpfte sie.

Ich nickte verdrossen. Da hatte sie recht. Es war sein Leben. Aber er hätte mir verdammt noch mal von seinen Plänen erzählen können. Vielleicht hätte ich ihn noch nicht einmal aufgehalten. Aber er hatte uns alle im Regen stehen lassen, so viele Monate lang. Das ganze Dorf und sogar einige Leute aus der Schule, die er eigentlich nie hatte leiden können, hatten wochenlang die Küste und die Höhlen abgesucht. In den kleinsten Löchern, in die ein Mensch kaum hineingepasst hätte, hatte ich nachgesehen, aus Angst, dass ihm etwas passiert war. Sogar in die alten Grüfte waren wir hinabgestiegen, weil ich wusste, dass er sich dort manchmal herumgetrieben hatte. Nur um ein paar Monate später zu erfahren, dass der gnädige Herr still und leise nach New York abgehauen war, wo er kurze Zeit später von einem Scout für eine Teenieserie entdeckt worden war, die ihn in die Starriege von Hollywood katapultierte. Und dabei wusste ich noch nicht einmal, dass er je davon geträumt hatte, Schauspieler zu werden.

»Verdammt noch mal!«, fluchte ich erneut.

»Wenn du in ganzen Sätzen sprechen würdest, könnte ich deine Ausbrüche vielleicht auch nachvollziehen«, murrte Ally hinter der Kaffeemaschine hervor.

»Sorry, tut mir echt leid«, entschuldigte ich mich sofort und atmete tief durch. Ich hatte heute sicher schon öfter geflucht als in den letzten drei Monaten zusammen. Das konnte ja noch heiter werden. In einer Stunde war der Laden hier bumsvoll und ich war geladen wie eine ganze Batterie alter Kanonen. Hoffentlich konnte ich mich bei den Gästen beherrschen. Oder ich tauschte vielleicht lieber gleich den Job und stellte mich hinter den Tresen. Da würde ich nur die Leute an der Bar anschnauzen. Aber ich brauchte doch dringend das Trinkgeld. So eine Scheiße!

Farell brachte die Schalen für die Snacks herein und stellte sie auf die Theke. »Muss mal schnell noch was organisieren. Sind ein paar Sachen ausgegangen«, murmelte er und warf mir noch einmal einen skeptischen Blick zu, bevor er im Eilschritt den Pub verließ. Na toll! Jetzt hatte ich sogar meinen Chef mit meiner Laune verschreckt. Ich sollte mich besser schleunigst wieder fangen.

Ich half Ally die gesalzenen Erdnüsse und die Chips in die Schälchen zu füllen und verteilte sie mit den roten Servietten, die exakt zur Lackierung der Holzvertäfelung des Pubs passten, auf den Tischen. Auch wenn man es Farell nicht sofort ansah, er hatte Gespür dafür, wie er seinem Pub einen Wiedererkennungswert verpasste. Das Markenzeichen war definitiv die rote Farbe, in der auch die Fensterläden gestrichen waren, die von Weitem schon zu sehen waren. Meiner heutigen Stimmung war das Rot aber eher nicht zuträglich. Ich war geladen genug. 

***

Langsam trudelten die ersten Gäste ein. Wie Ally schon vermutet hatte, brachte das plötzliche Auftauchen von Raven in seiner Heimat noch einige Leute extra hierher, die sonst selten auf Musikveranstaltungen gingen, sondern sich eher in den Pub zurückzogen, in dem es ruhiger war. Ein Glück, dass fast jedes irische Dorf mehr als einen Pub aufzuweisen hatte, sobald es mehr als zwanzig Einwohner hatte. Nur heute waren alle Dorfbewohner hier.

Ich vernahm aus den Gesprächsfetzen, dass Raven offenbar das Thema Nummer eins war. Die Gäste warteten genauso gespannt wie Ally und ich, ob er tatsächlich erscheinen würde. Noch nicht einmal ihr Musiker konnte Ally davon abhalten, ständig zur Tür zu schielen, obwohl er alles gab, um die Leute bestens zu unterhalten. Ich hatte mich durchgesetzt und den Platz am Ausschank hinter der Theke eingenommen. Farell hatte nicht gegen die Planänderung protestiert, nur Ally hatte darauf bestanden, ihr Trinkgeld mehr als zum üblichen Teil mit mir zu teilen, weil ich gerade wieder Ebbe in meiner Kasse hatte. Ich strengte mich an in Rekordzeit die Gläser zu füllen, um mich irgendwie abzulenken.

Plötzlich ging ein Raunen durch die Menge. Ich sah auf und lugte vorsichtig zwischen den Zapfhähnen hindurch zur Tür. Ich spürte förmlich, wie alle Farbe schlagartig mein Gesicht verließ.

Da stand er.

Mitten im Türrahmen.

Breitbeinig, die Hände in den Hosentaschen vergraben. Die halblangen schwarzen Haare fielen ihm lässig zerzaust über die Schultern und er verzog keine Miene. Nicht einmal der Hauch eines Lächelns lag um seine Mundwinkel. Mir wurde heiß und kalt im Wechsel und ich tat mich schwer damit zu atmen. Mühsam blinzelte ich. Hatte er schon immer so verdammt gut ausgesehen? Selbst den Gästen schien es die Sprache verschlagen zu haben. Ich kniff mich in den Arm, um mir klar zu machen, dass es Raven war, der dort stand. Aber es half nichts. Der Kerl sah zwar aus wie Raven und verhielt sich auch eindeutig wie er, aber sein Anblick ließ ganz andere Gefühle in mir aufsteigen, als ich erwartet hatte. Ich hatte Wut erwartet und Ärger und eine große Menge Enttäuschung. Aber nichts davon kam auf, stattdessen kribbelte es in meinem Magen wie Tausende Champagnerbläschen. Ich schluckte und versuchte meinen Blick abzuwenden. Allys Sänger stimmte ein dramatisches Gitarrensolo an. Es hätte eine Szene aus einem Film sein können – eine äußerst unwirkliche. Raven sah aufmerksam in die Runde und nickte allen zum Gruß zu.

Der Bürgermeister fing sich als Erster wieder. Er sprang ungeschickt auf, begrüßte Raven ganz förmlich mit Handschlag und lud ihn an seinen Tisch ein. Langsam kam auch wieder Leben in die anderen Gäste. Sie hießen Raven mit einem großen Hallo willkommen, als hätten sie nur darauf gewartet, dass er endlich wieder zurückkehrte. Wie freundlich plötzlich alle zu ihm waren. Dabei hatten die meisten ihn früher ignoriert, wo sie nur konnten. Ihn, den Jungen, der von einem Raben auf der Kirchentreppe abgelegt worden war. Ich schüttelte den Kopf. Als ob ein Rabe fähig gewesen wäre einen Korb mit einem Baby darin zu tragen. Aber der Aberglaube würde auch in hundert Jahren hier nicht auszurotten sein, bei all den alten Mythen und Legenden, die über das Land, dessen Entstehung und die Wesen der Anderswelt seit Menschengedenken erzählt wurden. Und Raven hatte es sich aus Trotz zur Aufgabe gemacht, sich mit den Raben anzufreunden, die ständig am Friedhof herumhüpften, bis sie ihm aus der Hand gefressen und ihn fast keinen Schritt mehr allein hatten machen lassen.

Ally eilte auf ihn zu. Ich konnte an seinem Gesicht ablesen, dass er überrascht war sie hier zu sehen. Jetzt huschte doch noch ein Lächeln über sein Gesicht und er stand auf, um sie kurz zu umarmen. Sie deutete aufgeregt in meine Richtung. Mist! Ich versteckte mich sofort wieder hinter den Zapfhähnen, aber so ganz glückte es mir offenbar nicht. Das Lächeln verschwand von Ravens Lippen. Ich hatte das Gefühl, er war sehr erstaunt, fast entsetzt, als er mich sah. Ich zog den Bauch ein und streckte mich in der Hoffnung, dünner zu werden, damit mich endlich die blöden Zapfhähne verdeckten. Aber Raven legte den Kopf schief, um zwischen den Hähnen hindurchzuschauen. Schnell zapfte ich das nächstbeste Bier, das mir gerade in die Finger kam, nur um ihn nicht beachten zu müssen. Meine Hände zitterten so sehr, dass ich das Bier fast verschüttete. Verdammt! Was war denn los mit mir? Vorsichtig schielte ich noch einmal durch die Zapfhähne und schaute in das strahlende Gesicht von Ally, die davor auftauchte. »Ein Guinness für Raven, ganz warm, hat er gesagt«, rief sie mir fröhlich entgegen. »Du musst unbedingt zu ihm rübergehen, der hat irgendein mordsteures Aftershave drauf und riecht so was von gut!«

Ich verdrehte die Augen. Ich würde ganz bestimmt nicht durch den halben Laden laufen, um an meinem ehemals besten Freund zu schnüffeln. Ich war mir noch nicht einmal sicher, ob meine Beine mich überhaupt tragen würden.

»Hey, echt jetzt! Ich meine es ernst!«, betonte Ally und zog die Augenbrauen zusammen. »Er würde sich sicher freuen, wenn du Hallo sagst.«

»Soll er doch herkommen«, brummelte ich. »Ich muss hier arbeiten.«

»Ach komm, der Run ist doch sowieso vorbei. Für wen hast du eigentlich das ganze Bier hier gezapft. Hat doch keiner was bestellt, oder?«

Ich sah auf die zehn Gläser auf der Theke neben mir und grinste verlegen. Zum Glück kam gerade Farell aus der Küche und wischte sich die Hände an der Schürze ab, um zu einem Glas im Regal zu greifen. »Die sind für Farell«, antwortete ich schnell und machte ihn darauf aufmerksam, dass er sich keines einzuschenken brauchte. Ally lachte und nahm mir das Guinness für Raven aus der Hand, bevor ich es doch noch verschütten konnte.

»Hast du nicht zufällig was in der Küche für mich zu tun?«, fragte ich Farell verzweifelt. »Noch mal Erdnüsse in die Schalen füllen oder so? Ich putze auch gleich, wenn du willst.«

Farell sah mich fragend an, schüttelte aber nur stumm den Kopf und nahm sich zwei Bier. Bevor ich ihn weiter anbetteln konnte, ging er hinüber zu dem Tisch, an dem Raven saß, und setzte sich dazu.

Ich wurde immer nervöser. Warum bestellte denn keiner was, damit ich beschäftigt war? Sonst kippten doch auch immer alle ein Glas nach dem anderen hinunter. Ich polierte die Edelstahlflächen der Schankanlage, dass sie nur so glänzten. Mir war kotzübel. Wann war denn endlich Schichtende? Aber mein minütlicher Blick auf die Uhr sagte mir, dass ich noch eine ganze Weile hierzubleiben hatte. Außer ich würde behaupten, ich wäre krank. Aber dazu müsste ich hinüber zu Farell gehen und der saß immer noch am Tisch mit Raven. Ich wagte es kaum, in Ravens Richtung zu sehen. Ab und an erwischte ich ihn dabei, wie er mir einen sehr seltsamen Blick zuwarf. Aber er schien es nicht für nötig zu halten, zu mir herüberzukommen.

»Sag mal, hab ich was an der Stirn?«, fragte ich Ally, als sie wieder vorbeitanzte, um Gläser abzustellen und endlich eine neue Bestellung aufzugeben.

»Nein, wieso?«, fragte sie und betrachtete mich genauer.

»Lidstrich verschmiert? Schokolade an der Nase?«, fragte ich hartnäckig.

Ally lachte. »Was ist dein Problem?«

»Raven sieht mich immer so seltsam an.«

Sie konnte es natürlich nicht lassen, sofort zu ihm hinüberzusehen. Zum Glück bemerkte er es nicht. Ich hätte mich in Grund und Boden geschämt, wenn er mitbekommen hätte, dass ich über ihn sprach.

»Na komm. Das ist doch offensichtlich«, entgegnete Ally grinsend.

»Was ist offensichtlich?«, brummte ich.

»Na, der war total von den Socken, als er dich gesehen hat.«

»Spinnst du? Der kennt mich, seit ich ein Baby war. Und er hat mich mit Sand beworfen, kaum dass ich laufen konnte. Wieso sollte der plötzlich von den Socken sein?«

Ally grinste so breit, dass ich schon dachte, das Grinsen würde ihr für immer im Gesicht stehen bleiben.

»Als er dich das letzte Mal gesehen hat, warst du ein zarter, flachbrüstiger, pickeliger Teenager, zwei Köpfe kleiner als er, mit einer wackeligen Zahnspange, die dir immer von den Zähnen gerutscht ist, wenn du ihn vollgeplappert hast. Quasi nichts weiter als seine kleine, nervige Ersatzschwester. Wie hat er dich immer genannt? Feenmädchen?«

Ich nickte. Er hatte mich von klein auf nur Feenmädchen gerufen, nie bei meinem richtigen Namen, aber ich mochte diesen Kosenamen sehr. Seit er weg war, hatte ich den Namen nicht mehr gehört. »Ich bin halt auch ein bisschen älter geworden, was ist so ungewöhnlich daran?«, murrte ich.

Ally griff über die Theke und zog an einem meiner dicken Zöpfe, die ich mir immer flocht, wenn ich arbeiten ging, weil meine Haare dazu neigten, ein Eigenleben zu führen, wenn es hektisch wurde.

»Hallo, Erde an Malin!« Ally zupfte erneut. »Du bist nicht nur ein bisschen älter geworden; aus dem kleinen zarten Feenmädchen ist eine über eins siebzig große, rattenscharfe Wikingerbraut geworden. Hast du in den letzten Jahren mal in den Spiegel geschaut? Mich wundert’s, dass er nicht aus den Latschen gekippt ist. Der hat dich im ersten Moment gar nicht wiedererkannt, ich musste explizit mit dem Finger auf dich zeigen.« Sie lachte aus vollem Halse. Na super! Jetzt hatte sie erneut Ravens Aufmerksamkeit auf mich gelenkt. Schnell ging ich wieder in Deckung. Wikingerbraut! Auf welche Ideen die immer kam! Irgendwie fühlte sich mein Shirt plötzlich etwas zu eng an. Konnte man tatsächlich erkennen, dass sich da mehr entwickelt hatte, als vor ein paar Jahren abzusehen gewesen war? 

Ich lugte noch einmal zwischen den Zapfhähnen hindurch in Ravens Richtung. Er selbst hatte sich gar nicht so sehr verändert. Man konnte nur erkennen, dass er kein Teenager mehr war, sondern bereits die zwanzig überschritten hatte. Und er hatte einen Dreitagebart, den er sich mit sechzehn zwar schon versucht hatte stehen zu lassen, aber mehr als ein lustiger Flaum war dabei nicht herausgekommen. Wenn er hiergeblieben wäre, wäre mir der Unterschied vielleicht nicht einmal auffallen. Wenn … Warum warf es mich eigentlich so aus der Bahn, dass er plötzlich wieder hier auftauchte? Ich hatte mir doch geschworen ihm für immer böse zu sein, weil er mich so im Stich gelassen hatte. Mit meinem Leben, das zu dem Zeitpunkt alles andere als leicht gewesen war, als Großvater krank geworden war. Mit der Schule, womit er mir früher immer geholfen hatte, wenn ich mal wieder keinen Plan gehabt hatte, worum es eigentlich ging. Was hatte Ally gemeint? Ich war seine kleine Ersatzschwester? Das war bestimmt so und er war definitiv so etwas wie mein großer Bruder. Er war für mich ein Teil Familie, von der ich ohnehin viel zu wenig hatte, und trotzdem hatte er mich einfach ohne ein Wort zurückgelassen. Vielleicht schmerzte es deshalb immer noch, obwohl ich es nicht zulassen wollte.

Er sah herüber, als er sein Bier austrank. Unsere Blicke trafen sich und blieben gefühlt eine halbe Ewigkeit ineinander hängen. Ich hoffte, dass er aufstehen und zu mir herüberkommen würde. Dass er irgendetwas zu mir sagte. Egal was.

Er stellte das leere Glas ab, stand auf und ging.

***

Ich war erleichtert, als die Schicht zu Ende war und ich endlich nach Hause fahren konnte, obwohl ich es liebte, im Pub zu arbeiten. Aber ich befürchtete immer, dass Raven zurückkam, und ich wusste nicht, wie ich reagieren würde. Ich hatte eine ganze Weile gebraucht, bis ich mich wieder gefangen hatte. Dieses Zittern und die seltsamen Schweißausbrüche brauchte ich nicht noch einmal.

Nachdenklich starrte ich in den Nebel, der tatsächlich noch dicker geworden war, als Ally vorausgesagt hatte, und mühte mich ab das Auto auf der schmalen Straße zu halten, um nicht im Graben zu landen. Die Sterne und der Mond waren zwar hin und wieder noch zu sehen, aber der Boden war wie von Watte bedeckt und ich konnte mich nur an den Weidemauern und den wenigen Straßenbegrenzungen orientieren, um zu erahnen, wo ich überhaupt war. Endlich tauchte an der linken Seite der Pfosten mit dem klapprigen Briefkasten auf, den Großvater damals direkt an der Straße aufgestellt hatte, damit der alte O’Brian, der bis vor zwei Jahren noch die Post ausgefahren hatte, nicht immer extra bis zu unserer Haustür fahren musste. Erleichtert bog ich ab und gähnte. Was freute ich mich schon auf mein Bett. Die fünf Kilometer, die ich vom Dorf entfernt wohnte, hatten sich hingezogen, als wären es hundert. Großvaters alter Pick-up rumpelte über den holprigen Weg zu meinem Cottage, dass ich befürchtete, er würde gleich auseinanderfallen. In diesem Nebel war es unmöglich, den Schlaglöchern auszuweichen, wie ich es seit Wochen tat. Hoffentlich überlebte das alte Auto noch eine Weile, ein neues konnte ich mir unmöglich leisten und ich wollte auch keines. Es gab nicht viele Andenken, die ich an Großvater hatte. Und das kleine alte Haus und das Auto waren mir einfach zu wertvoll. Vielleicht sollte ich Farell bitten mir eine Fuhre Kies zu organisieren und auf den Weg zu kippen, wenn ich dafür eine Schicht mehr arbeitete.

Ich seufzte. Langsam wurde es eng. Auch wenn Großvater dafür gesorgt hatte, dass Geld für meine Ausbildung bereitlag, für notwendige Reparaturen war nicht mehr viel da. Dafür hatte der letzte Sturm gesorgt, als er das Dach fast zur Hälfte abgedeckt hatte.

Ich warf einen Blick in Richtung Bucht, während ich das Auto abstellte. Vom Meer war natürlich auch nichts zu sehen. Ich würde mich noch nicht einmal trauen bis zur Felsentreppe hinüberzugehen, die hundert Meter hinter meinem Garten in die Bucht hinunterführte, weil ich nicht erkennen konnte, wo der Abhang begann.

Ein Schatten bewegte sich in etwa an der Stelle, wo ich die Treppe vermutete.

War dort jemand?

Bei dem Wetter?

Ich kniff die Augen zusammen und überlegte angestrengt, ob ich den Schatten vielleicht mit einem Busch verwechselte. Aber dort war doch nichts. Keinerlei Bäume oder Büsche den ganzen Hang entlang. Ich starrte weiter in die Richtung, aber die Nebelschwaden waberten mal hell und mal dunkel dahin und ließen den Schatten nur vage erscheinen und auch gleich wieder verschwinden. Endlich fand das Mondlicht eine Lücke im Nebel und mir blieb fast das Herz stehen. Ganz sicher, dort stand ein Mensch. Ich hielt erschrocken den Atem an. Sollte ich wieder umdrehen und Allys Angebot annehmen, bei ihr zu übernachten? Sie wollte schon nicht, dass ich bei dem Wetter überhaupt nach Hause fuhr. Und den ganzen Weg wieder zurückzufahren würde bestimmt nicht einfacher werden als die Fahrt hierher. Ich holte mein Handy aus der Tasche. Sollte ich sie vielleicht anrufen und mit ihr telefonieren, bis ich im Haus war? Würde das jemanden, der an so einer abgelegenen Stelle zu so einer Uhrzeit herumlungerte, davon abhalten, mich zu überfallen? Ein Schauer lief über meinen Rücken. Ich schüttelte mich ein paarmal, damit ich das Kribbeln loswurde. Aber stattdessen fröstelte es mich am ganzen Körper. Seit wann war ich denn so ängstlich? Ich kannte doch alle Leute, die hier in der Gegend wohnten. Niemand war mir auch nur im Entferntesten unfreundlich gesinnt. Im Gegenteil.

Ich sah mich um. Es war weit und breit kein Auto zu sehen, also musste dieser Jemand zu Fuß hier sein, was bedeutete, dass er aus der Umgebung stammte, auch wenn ich mir nicht vorstellen konnte, wer so wahnsinnig war bei dem Nebel so nah an den Steilhängen herumzulaufen. Noch einmal griff ich in meine Tasche und holte das Pfefferspray heraus, das Ally mir bei unserem letzten Einkauf in Galway aufgedrängt hatte. Ich schob meine Schlüssel in die Jacke und mit dem Handy in der einen Hand und dem Pfefferspray in der anderen stieg ich langsam aus dem Auto aus.

»Hallo?«, rief ich und ich hörte selbst, dass meine Stimme zitterte. »Haaallloooo!«

Die Gestalt drehte sich um. Es kam mir vor wie in Zeitlupe. Der Nebel waberte noch dicker von der Küste herauf, als würde er sie wieder verhüllen wollen. Gänsehaut überzog meinen ganzen Körper. Verflixt, was sollte ich tun? Die Gestalt antwortete nicht oder ich konnte es nicht hören, weil das Meeresrauschen die Stimme übertönte. Aber mich hatte sie schon gehört? Ich nahm allen Mut zusammen und ging auf sie zu, den Daumen abschussbereit auf dem Spray.

»Hallo?«, rief ich erneut. Plötzlich kam Leben in die Gestalt. Sie kam auf mich zu. Ich wollte schreien, aber ich bekam keinen Ton heraus.

»Hallo, Malin!«, begrüßte mich eine dunkle, raue Stimme.

Ich schluckte. »Raven?« Ich trat näher, weil er stehen geblieben war und ich ihn nur vage erkennen konnte. »Raven, was um Himmels willen tust du hier?« Erleichtert und doch aufgeregt fuchtelte ich mit den Händen in der Luft herum.

Er lächelte verlegen, als er bemerkte, was ich in der Hand hielt. »Es tut mir leid, ich wollte dich nicht erschrecken. Ich …« Er stockte.

»Was?«, fragte ich nach.

»… Ich war lang nicht mehr hier«, antwortete er leise und blickte zu Boden.

»Ach, ist mir gar nicht aufgefallen«, erwiderte ich bissig.

Er grinste halbherzig. Ich hatte das Gefühl, es war ihm unangenehm, mir gegenüber zu stehen. Nur was wollte er dann hier? Er musste doch wissen, dass ich irgendwann zu Hause auftauchen würde? Oder hatte er gedacht, das Cottage stünde leer? Wusste er überhaupt etwas über mein Leben in den letzten paar Jahren?

»Was willst du, Raven?« Meine Stimme hörte sich barscher an als beabsichtigt. Langsam kroch mir der Nebel unter die Kleidung und ließ mich wieder frösteln. Sollte ich Raven ins Haus bitten?

Er starrte erneut zu Boden. »Es tut mir leid, Malin.«

Er nannte mich Malin. Nicht Feenmädchen. Mein Magen krampfte sich zusammen. Ally hatte vermutlich recht gehabt. Zumindest damit, dass ich mich so verändert hatte, dass er mich nicht wirklich wiedererkannte. Ich war nur noch Malin. Irgendein Mädchen, das so hieß. Nicht die kleine Ersatzschwester, die er so oft aufgezogen hatte, wenn sie sich wieder besonders tollpatschig angestellt hatte oder die er hatte trösten müssen, weil das Leben gerade wieder Stolpersteine in ihren Weg geschmissen hatte.

»Ist es wirklich so einfach?«, platzte es aus mir heraus. »Es tut dir leid? Was denn genau? Dass du einfach verschwunden bist, ohne irgendjemandem ein Wort zu sagen? Oder zumindest eine Nachricht zu hinterlassen? Hast du eine Ahnung, wie sehr wir uns alle Sorgen um dich gemacht haben? Das ganze Dorf hat wochenlang nach dir gesucht, selbst einige deiner Klassenkameraden waren hier. Wir haben jeden einzelnen verdammten Stein umgedreht!«

Er schnaubte.

»Was?«, fuhr ich ihn an. Wie konnte er dastehen und nur schnauben? Wie egoistisch war der Kerl denn?

Er sah mich an und biss sich auf die Lippe. »Das ganze Dorf und meine Klassenkameraden? Wieso sollte sich irgendjemand darum scheren, wo ich abgeblieben war? Ich war doch immer nur ein Störfaktor in dieser ach so heilen Welt hier.« Er räusperte sich, weil ihn bei den letzten Worten offenbar seine Stimme im Stich gelassen hatte, aber ich hatte die Worte noch verstanden. Ich war fassungslos. Meinte er wirklich, was er da gerade gesagt hatte? Wütend stampfte ich auf dem Boden auf. »ICH habe mich darum geschert, verdammt noch mal! Ally hat sich darum geschert! Der Pfarrer, mein Großvater, Allys Eltern. Selbst wenn es allen anderen egal gewesen wäre, wir waren noch da! Wir haben jeden verdammten Tag darauf gehofft, etwas von dir zu hören. Dich irgendwo lebend zu finden! Dir irgendwie helfen zu können!«

»Du fluchst zu viel, Feenmädchen.« Er grinste besänftigend.

»Das ist nicht witzig, verdammt noch mal!« Feenmädchen? Er hatte mich gerade wieder bei meinem Kosenamen genannt? Also hatte er ihn nicht vergessen und genauso wenig, dass ich ab und an zu viel fluchte, wenn ich aufgeregt war. Mit genau demselben Satz hatte er mich immer aufgezogen, wenn ich dreimal hintereinander »Verdammt noch mal« gerufen hatte.

»Ich musste gehen, Malin«, erwiderte er leise.

»Das hat Großvater auch gesagt«, antwortete ich etwas ruhiger.

Raven sah mich fragend an.

»Großvater hat gemeint, du hättest wohl deine Gründe; müsstest dich selber finden, was weiß ich. Er schien dich irgendwie verstanden zu haben. Aber warum zum Teufel hast du niemandem etwas davon gesagt? Du bist einfach verschwunden und erst Monate später hast du uns darüber informiert, wo du abgeblieben bist. Kannst du dir auch nur im Ansatz vorstellen, wie beschissen die Monate der Ungewissheit waren?«

Er nickte. »Es tut mir wirklich leid.«

»Ja super. Es tut dir leid. Jetzt vielleicht.«

»Malin, ich konnte keine Nachricht hinterlassen. Es ging zu schnell.«

»Was ging zu schnell?«, bohrte ich verärgert nach.

»Ich … ich musste mich schnell entscheiden.«

»Aber irgendeine Notiz hättest du doch schreiben können. ›Bin mal weg, melde mich‹ oder so. Irgendwohin gekrakelt. Zur Not an die Kirchentür, weil du da ja ohnehin reinmusstest, um noch schnell die silbernen Kerzenleuchter mitzunehmen!«

»Was?« Raven machte einen Schritt auf mich zu und sah mich erstaunt an. »Was hast du gesagt? Ich habe keine Kerzenleuchter mitgenommen. Wer behauptet das? Ich bin doch kein Dieb!«

Ich schluckte. »Es hat zumindest so ausgesehen, weil sie in derselben Nacht verschwunden sind wie du«, erklärte ich kleinlaut. »Wir dachten erst, du hättest dich irgendwohin verzogen, wo du Licht bräuchtest, aber dann, als deine Karte aus New York kam, waren alle der Meinung, du hättest sie zu Geld gemacht, um die Überfahrt zu bezahlen.«

Er schüttelte fassungslos den Kopf. »Welch ein Glück, dass nicht noch zufällig jemand in dieser Nacht die Klippen hinuntergestürzt ist, sonst hättet ihr mir vermutlich auch noch einen Mord angehängt, der mich zur Flucht gezwungen hat«, erwiderte er sarkastisch. »Oder ein Jahrhundertsturm. Jemand, der auf so undurchsichtige Weise in das Leben dieses Dorfes getreten ist, könnte doch auch am Wetter schuld sein. An einfach allem, oder nicht?«

»Ich habe dir nie die Schuld für irgendetwas gegeben. Was redest du für einen Blödsinn!«

Er winkte ab. »Aber du hast geglaubt, ich würde den alten Pfarrer bestehlen.«

Ich fühlte mich tatsächlich schuldig. Gut, dass er nicht sehen konnte, wie ich rot wurde.

»Ich denke, ich geh jetzt besser«, sagte er frostig.

Ich stellte mich ihm in den Weg. »Was wolltest du überhaupt hier? Du wusstest doch, dass ich arbeite.«

Er verzog das Gesicht zu einem fiesen Grinsen. »Denkst du vielleicht, ich wollte in dein Haus einbrechen, weil ich ein paar alte Sessel zu Geld machen will?«

»Das ist gemein, Raven! Wenn du nicht so sang- und klanglos verschwunden wärest, wären solche Mutmaßungen nie aufgekommen … und vielleicht hätte noch jemand den Dieb geschnappt.«

Er schüttelte erneut den Kopf. »Bevor du dir die ganze Nacht deinen hübschen Kopf darüber zerbrichst, was ich hier wollte: Der Bürgermeister hat mir das Grundstück dort drüben angeboten und ich hab es mir angesehen.«

»Bei dem Nebel?«

Er zuckte mit den Schultern. »Was interessiert mich das Wetter.« Er wollte sich abwenden.

»Dann stimmt es, dass du hierbleiben willst?«, fragte ich schnell.

»Nein. Das ist nur ein weiteres Gerücht, das die Leute über mich verbreitet haben. Bis dann, Malin, und schlaf gut.«

Ich ließ ihn an mir vorbei, ohne mich zu bewegen. Ein Hauch von Allys neuem Lieblingsaftershave stieg in meine Nase. Verdammt! Irgendwas war schiefgelaufen. Hatte ich wirklich Raven unter die Nase reiben wollen, dass alle ihn für einen Dieb hielten, der seinen Vormund bestahl, um abzuhauen?«

Das schlechte Gewissen nagte an mir, als ich die Haustür aufschloss. Vielleicht hätte ich ihn doch hereinbitten sollen. Möglicherweise wäre das Gespräch dann ganz anders verlaufen. Meine Gefühle fuhren Achterbahn und mein Magen mit. Was war bloß los mit mir? Warum konnte ich mit Raven nicht mehr wie früher reden? Einfach so, als wäre nichts geschehen. Es sollte mich nicht so wütend machen, dass er – aus welchem Grund auch immer – plötzlich verschwunden war. Es war seine Entscheidung, wie Großvater immer gesagt hatte. Es hatte nichts mit mir zu tun. Wenn er der Meinung war, dass er hatte weggehen müssen, dann war das sicher so und er war mir und allen anderen keine Rechenschaft schuldig. Verdammt! Du fluchst zu oft, Feenmädchen. Ich hatte immer noch seine Stimme im Ohr, sie hörte sich fast wie früher an, sie war nur etwas tiefer und rauer geworden. Mir kam in den Sinn, wie witzig es sich angehört hatte, als Raven in den Stimmbruch gekommen war. Was hatten Ally und ich ihn damit aufgezogen. Aber er war uns niemals böse deswegen gewesen. Er hatte immer nur gelacht und uns alberne Küken genannt.

Ich hängte meine Sachen an die Garderobe. Die Müdigkeit, die mich nach der Schicht überfallen hatte, war verschwunden. Ich ging an das gegenüberliegende Fenster und starrte in die Bucht hinaus, wo die Felsen immer wieder vom Mond beschienen wurden, wenn die Nebelschwaden eine Lücke für ihn frei ließen. Seit Raven damals fortgegangen war, war der Nebel nicht mehr so dunkel gewesen wie heute. Er war grau geworden. Oder besser gesagt, er war mit grauen Schwaden durchzogen. Es sah aus wie Rauch, aber es war keiner. Ich kannte den grauen Nebel, seit ich denken konnte. Aber einige der Alten behaupteten, er wäre erst aufgekommen, als Raven hier aufgetaucht war. Eine Träne stahl sich aus meinem Auge. Ich war so ungerecht zu ihm gewesen. Ich hatte mir nie Gedanken darüber gemacht, was in ihm vorgegangen war, was ihn bewegt hatte. Er war für mich da gewesen, von klein an. Aber war ich jemals für ihn da gewesen? Hatte ich ihm jemals geholfen? Er hatte absolut recht, die Leute hier mochten ihn nicht. Sie hatten lediglich die Entscheidung des Pfarrers akzeptiert, Raven aufzunehmen, weil er es als Zeichen gesehen hatte, dass ihn jemand ausgerechnet auf der Kirchentreppe abgelegt hatte – in der Nacht von Samhain. Der Pfarrer war der Einzige, der nicht abergläubisch über die Anwesenheit des Raben dachte, der neben Raven gesessen und ihn – wie die Leute immer behaupteten – bewacht hatte, bis ihn jemand fand. Und die Leute hatten ihm den Namen Raven gegeben, obwohl der Pfarrer ihn Carey getauft hatte. Niemand hatte je herausgefunden, woher er gekommen war und wer seine Eltern waren, und ich hatte auch nie den Eindruck gehabt, es hätte sich jemand darum gekümmert, sein Geheimnis zu lüften. Auch wenn Ally und ich uns immer wieder Gedanken darüber gemacht hatten – mit Raven darüber gesprochen hatten wir nie.

Deprimiert zog ich die Vorhänge zu und ging ins Bett.

Ende der Leseprobe

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